Berichte

Jakob Mehltretter: Into the wild, next to the city

Wenn ich auf die letzten Jahre meiner Angelei zurückblicke, verbrachte ich den absoluten Großteil an sehr wenig befischten und größtenteils unerschlossenen Gewässern meiner Umgebung. Nicht, dass erschlossene Gewässer mit großen Fischen keinen Reiz auf mich ausüben würden, für mich persönlich sind diese wilden Gewässer jedoch am inspirierendsten und erlauben es mir, völlig frei meinen eigenen Weg zu gehen, ohne großartig Kompromisse mit anderen Anglern eingehen zu müssen. Schlicht gesagt, meine Gewässer Wahl ermöglicht es mir, im Frieden zu angeln und dabei Unbekanntes zu erschließen und von Zeit zu Zeit auf unerwartete Überraschungen zu stoßen.

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Über all die Jahre hatte ich natürlich den Traum des großen Unbekannten im Hinterkopf. Doch dieser Gedanke war es keinesfalls, welcher mich immer weiter trieb, trotzdem ist die Hoffnung auf solch ein Etappenziel immer sehr motivierend. Vergangenes Frühjahr lockten mich solche Gedanken immer weiter weg von häufiger von mir beangelten Bereichen, näher an direkte Verbindungen mit dem Rhein, weiter weg von bequemen Möglichkeiten an Angelplätze zu gelangen.

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Um die weiten Fußmärsche durch die malerischen Auenwälder zu erleichtern, reduzierte ich radikal mein Equipment. Das Zelt wurde durch ein Tarp ersetzt, alle Kleinigkeiten wurden auf den Stauraum eines Dwarf Rucksacks reduziert und der Rest passte irgendwie in die Rutentasche, sodass ich mein gesamtes Equipment für die Sessions bequem kilometerweit tragen konnte.

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Ein uriger und naturbelassener Mäander hatte es mir besonders angetan. Hier sah ich bereits in der Vergangenheit bei meinen Spinntouren Karpfen und zu meinem Leidwesen unzählige Brassen. Um diese nicht allzu sehr anzusprechen, beschloss ich, ausschließlich Instant zu angeln und vertraute auf dicht am Ufer abgelegte Pop Ups am 5er ChodTwister, als Multi-Rig gebunden.

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Um die Montage herum fütterte ich spärlich einige Triggernutz und abgezählte Nut2Bad Boilies. Mit dieser Falle erhoffte ich mir, die nomadischen Karpfen zu einem kurzen Snack an der Uferkante zu verleiten. Da ich meine Ruten nur „HalfaWrap“, also direkt vor den Füßen und inmitten umgestürzter Bäume, ablegte, fanden lediglich meine 6 Fuß Dwarf Ruten den Weg ins Futteral. Mit den kurzen Stecken konnte ich schon einige Fische aus unmittelbarer Nähe in den Kescher „wrestlen“, doch dass die größte Kraftprobe ihnen noch bevorsteht, hätte ich im Vorhinein selber nicht für möglich gehalten.

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Eines schönen morgens im April, nahm ich im Morgennebel erneut den langen Marsch zu meinem unerschlossenen Bereich in Kauf. Mit der aufgehenden Sonne pendelte ich meine Pop Ups zwischen umgestürzte Bäume. Nachdem ich etwas Futter verteilt hatte, lehnte ich mich entspannt zurück, frühstückte und genoss den Morgen, umgeben von Vogelgezwitscher und keiner Menschenseele.

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Als ich langsam weg döste und davon träumte, solch unberührte Natur nicht nur noch in kleinen Oasen aufzufinden, schrie plötzlich die Funkbox meines R3 Bissanzeigers auf. Wie vom Blitz getroffen sprintete ich zu meiner 6 Fuß Rute und erwischte sie gerade noch am Hand-Teil, bevor sie sich ins Wasser verabschiedet hätte. Völlig entgeistert stolperte ich die Uferkante wieder hoch. Längst hatte mein Kontrahent die Bäume erreicht und ich spürte das Holz gefährlich an meiner Schnur reiben. Doch ich behielt die Nerven und schaffte es mit etwas Geschick die Oberhand während des Drills zu bewahren und den Fisch aus dem Hindernis herauszureißen. Entschuldigt die rabiate Ausdrucksweise, doch anders kann man diesen brutalen Drill auf wenigen Quadratmetern wohl kaum beschreiben. Wie im Rausch wuchtete ich in Sekundenbruchteilen mit einer zum brechen gebogener Dwarf einen kolossalen Spiegler in den Kescher.

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Nachdem ich die Situation für einige Augenblicke auf mich wirken ließ, wollte ich den Karpfen auf die Matte heben, doch nach einem weiteren Blick in die Keschermaschen fiel mir erst die Ausmaße dieses Spieglers wie Schuppen von den Augen. Schnell holte ich meinen Sling zur Unterstützung dazu, um den Fisch sicher die Uferböschung herauf zu tragen. Erst in der Aircradle-Matte erkannte ich die volle Pracht des Rhein-Riesens. Breitschultrig, hochrückig und lang war dieser Fisch, der meine komplette Matte ausfüllte. Ein Fisch, der all meine Vorstellungen und bisherigen Fänge um Längen in den Schatten stellte.

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Erst im Laufe der Fotosession und in den darauffolgenden Tagen realisierte ich, was für ein Fang mir da gelungen war. Ich hatte nie auf einen solchen Fisch gehofft, heimlich vielleicht davon geträumt, aber bei Weitem nicht damit gerechnet, dass er zwischen wilden Schuppenkarpfen auftauchen würde.

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Ob ich damit ein Ziel erreicht habe? Nein, denn solch ein Ziel habe ich mir nie gesetzt. Nichtsdestotrotz wird mir der Fisch immer in Erinnerung bleiben, denn er ist einer der größten Erfolge, die ich bis jetzt bei meiner Pionierarbeit an diesen Gewässern feiern konnte. Mit diesem Etappenziel bin ich jetzt umso mehr motiviert genauso weiterzumachen und weiterhin meinen ganz eigenen Weg zu gehen.

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Greetz, Jakko

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